Am Ende dieser Lektion kann ich …
- müssen für eine starke Schlussfolgerung
- dürften für eine wahrscheinliche Vermutung
- Infinitiv II mit haben
- Infinitiv II mit sein
- sollen und wollen als Informationsquelle
- Verwendung im Text deuten
Einfache Erklärung
Subjektive Modalverben zeigen nicht Pflicht oder Fähigkeit, sondern die Einschätzung des Sprechers. Mit müssen, können, dürften, sollen und wollen kann man Vermutungen, Wahrscheinlichkeiten und fremde Aussagen ausdrücken. Diese Lektion erklärt die Bedeutungen, Strukturen und typischen Anwendungen auf C1-Niveau.
müssen für eine starke Schlussfolgerung
müssen verwendet man, wenn der Sprecher aufgrund von Fakten oder Beobachtungen fast sicher ist. Beispiel: Er muss krank sein.
dürften für eine wahrscheinliche Vermutung
dürften bedeutet, dass etwas wahrscheinlich ist, aber nicht hundertprozentig sicher. Es kommt besonders häufig in Nachrichten und formellen Texten vor.
können und könnte für Möglichkeiten
können und könnte zeigen, dass etwas möglich ist. könnte wirkt oft vorsichtiger und weniger sicher als kann.
Infinitiv II für Vermutungen über die Vergangenheit
Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein.
sollen und wollen als Informationsquelle
sollen zeigt eine Information aus einer fremden Quelle. wollen zeigt eine eigene Behauptung einer Person. Beispiel: Er soll reich sein. Er will nichts gewusst haben.
Geltung, Ausnahmen und Wahl
Inferentielles muss ist keine Anweisung: Er muss krank sein zieht einen Schluss, statt Krankheit vorzuschreiben. Dürfte und könnte erlauben Vorsicht ohne feste Prozentwerte. Beim Infinitiv II richtet sich haben oder sein nach dem Vollverb: gelesen haben, angekommen sein. Reportives sollen verweist auf fremde Information, wollen auf den eigenen Anspruch des Subjekts. Beides bedeutet nicht automatisch Lüge. Quellenbezug und Zeit- beziehungsweise Passivbedeutung des Infinitivs sind getrennt zu analysieren.
Verwendung im Text deuten
Unterscheide anhand des Satzes und der Situation diese Lesarten: ① Die Information wird einer anderen Quelle zugeschrieben; die Formulierung weist sie nicht als persönlich bestätigte Tatsache aus. ② Das Subjekt erhebt selbst diesen Anspruch über sich.
Formwahl und Deutung im Kontext
| Funktion | Beispiel | Geltung und Begründung |
|---|---|---|
| müssen für eine starke Schlussfolgerung | Das Licht brennt und sein Auto steht hier. Er muss zu Hause sein. | müssen verwendet man, wenn der Sprecher aufgrund von Fakten oder Beobachtungen fast sicher ist. Beispiel: Er muss krank sein. |
| dürften für eine wahrscheinliche Vermutung | Nach vorsichtiger Schätzung dürfte die Reparatur zwei Tage dauern. | dürften bedeutet, dass etwas wahrscheinlich ist, aber nicht hundertprozentig sicher. Es kommt besonders häufig in Nachrichten und formellen Texten vor. |
| Infinitiv II mit haben | Sie könnte den Schlüssel verloren haben. | Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein. |
| Infinitiv II mit sein | Er muss bereits abgereist sein. | Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein. |
| sollen und wollen als Informationsquelle | Er will nach eigener Aussage nichts davon gewusst haben. | sollen zeigt eine Information aus einer fremden Quelle. wollen zeigt eine eigene Behauptung einer Person. Beispiel: Er soll reich sein. Er will nichts gewusst haben. |
| Verwendung im Text deuten | „Er soll die Unterlagen geprüft haben.“ Wer liefert hier die Information? | Unterscheide anhand des Satzes und der Situation diese Lesarten: ① Die Information wird einer anderen Quelle zugeschrieben; die Formulierung weist sie nicht als persönlich bestätigte Tatsache aus. ② Das Subjekt erhebt selbst diesen Anspruch über sich. |
Grammatikformel
Vermutung in der Gegenwart
Subjekt + Modalverb + InfinitivSie muss zu Hause sein.
Vermutung über die Vergangenheit
Subjekt + Modalverb + Infinitiv IISie muss angekommen sein.
Fremde Aussage mit sollen
Subjekt + soll + InfinitivEr soll ein berühmter Musiker sein.
Eigene Behauptung mit wollen
Subjekt + will + Infinitiv IIEr will das nicht gesehen haben.
Wichtige Regeln
- 1
müssen für eine starke Schlussfolgerung
müssen verwendet man, wenn der Sprecher aufgrund von Fakten oder Beobachtungen fast sicher ist. Beispiel: Er muss krank sein.
- 2
dürften für eine wahrscheinliche Vermutung
dürften bedeutet, dass etwas wahrscheinlich ist, aber nicht hundertprozentig sicher. Es kommt besonders häufig in Nachrichten und formellen Texten vor.
- 3
können und könnte für Möglichkeiten
können und könnte zeigen, dass etwas möglich ist. könnte wirkt oft vorsichtiger und weniger sicher als kann.
- 4
Infinitiv II für Vermutungen über die Vergangenheit
Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein.
- 5
sollen und wollen als Informationsquelle
sollen zeigt eine Information aus einer fremden Quelle. wollen zeigt eine eigene Behauptung einer Person. Beispiel: Er soll reich sein. Er will nichts gewusst haben.
- 6
Geltung, Ausnahmen und Wahl
Inferentielles muss ist keine Anweisung: Er muss krank sein zieht einen Schluss, statt Krankheit vorzuschreiben. Dürfte und könnte erlauben Vorsicht ohne feste Prozentwerte. Beim Infinitiv II richtet sich haben oder sein nach dem Vollverb: gelesen haben, angekommen sein. Reportives sollen verweist auf fremde Information, wollen auf den eigenen Anspruch des Subjekts. Beides bedeutet nicht automatisch Lüge. Quellenbezug und Zeit- beziehungsweise Passivbedeutung des Infinitivs sind getrennt zu analysieren.
- 7
Verwendung im Text deuten
Unterscheide anhand des Satzes und der Situation diese Lesarten: ① Die Information wird einer anderen Quelle zugeschrieben; die Formulierung weist sie nicht als persönlich bestätigte Tatsache aus. ② Das Subjekt erhebt selbst diesen Anspruch über sich.
Praktische Beispiele
Er muss schon zu Hause sein.
Aus den Indizien folgt für den Sprecher: Er ist bereits zu Hause.
Sie dürfte etwa 40 Jahre alt sein.
Wahrscheinlich ist sie ungefähr 40 Jahre alt.
Das kann nicht richtig sein.
Nach Einschätzung der sprechenden Person ist es ausgeschlossen, dass das richtig ist.
Er könnte den Schlüssel verloren haben.
Vielleicht hat er den Schlüssel verloren.
Die Rechnung muss falsch sein.
Aus den Indizien folgt: Die Rechnung ist falsch.
Er soll ein erfolgreicher Unternehmer sein.
Man sagt, dass er ein erfolgreicher Unternehmer ist.
Sie will davon nichts gewusst haben.
Sie behauptet, davon nichts gewusst zu haben.
Das dürfte der wichtigste Grund sein.
Das ist wahrscheinlich der wichtigste Grund.
Er muss gestern angekommen sein.
Die sprechende Person schließt aus den Indizien, dass er gestern angekommen ist.
Es könnte morgen schneien.
Vielleicht schneit es morgen.
Typische Fehler
- ❌ Das Licht brennt und sein Auto steht hier. Er müsst zu Hause sein. ✅ Das Licht brennt und sein Auto steht hier. Er muss zu Hause sein. müssen verwendet man, wenn der Sprecher aufgrund von Fakten oder Beobachtungen fast sicher ist. Beispiel: Er muss krank sein.
- ❌ Nach vorsichtiger Schätzung dürft die Reparatur zwei Tage dauern. ✅ Nach vorsichtiger Schätzung dürfte die Reparatur zwei Tage dauern. dürften bedeutet, dass etwas wahrscheinlich ist, aber nicht hundertprozentig sicher. Es kommt besonders häufig in Nachrichten und formellen Texten vor.
- ❌ Sie könnte den Schlüssel verloren sein. ✅ Sie könnte den Schlüssel verloren haben. Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein.
- ❌ Er muss bereits abgereist haben. ✅ Er muss bereits abgereist sein. Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein.
- ❌ Er wollt nach eigener Aussage nichts davon gewusst haben. ✅ Er will nach eigener Aussage nichts davon gewusst haben. sollen zeigt eine Information aus einer fremden Quelle. wollen zeigt eine eigene Behauptung einer Person. Beispiel: Er soll reich sein. Er will nichts gewusst haben.
- ❌ „Er soll die Unterlagen geprüft haben.“ Wer liefert hier die Information? → Das Subjekt erhebt selbst diesen Anspruch über sich. ✅ Die Information wird einer anderen Quelle zugeschrieben; die Formulierung weist sie nicht als persönlich bestätigte Tatsache aus. Unterscheide anhand des Satzes und der Situation diese Lesarten: ① Die Information wird einer anderen Quelle zugeschrieben; die Formulierung weist sie nicht als persönlich bestätigte Tatsache aus. ② Das Subjekt erhebt selbst diesen Anspruch über sich.
Lerntipps
- Subjekt, Bezug, Zeit und Satzgliedrollen sind klar.
- Die Wahl passt zu Evidenz und Register; Tabelle und Erklärung helfen bei der Kontrolle.
Werkstatt: Überarbeiten und begründen
Schreibe vier Sätze über eine oder mehrere Situationen in Beruf, Forschung oder Alltag. Nutze mindestens drei Muster gezielt. Formuliere danach zwei Sätze anders und erkläre Änderungen in Bedeutung, Bezug oder Ton. Das Beispiel bietet vier unabhängige Muster für den ersten Schritt. Diese Aufgabe ist Selbsteinschätzung und wird nicht automatisch bewertet; der Auswahltest ist getrennt.
- müssen für eine starke Schlussfolgerung
- dürften für eine wahrscheinliche Vermutung
- Infinitiv II mit haben
- Infinitiv II mit sein
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Er muss schon zu Hause sein. Sie dürfte etwa 40 Jahre alt sein. Das kann nicht richtig sein. Er könnte den Schlüssel verloren haben.
Prüfe deine Sätze
- Subjekt, Bezug, Zeit und Satzgliedrollen sind klar.
- Die Wahl passt zu Evidenz und Register; Tabelle und Erklärung helfen bei der Kontrolle.
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Verwandte Grammatik
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Häufige Fragen
Was prüfe ich in „Das Licht brennt und sein Auto steht hier. Er muss zu Hause sein.“ beim Thema „müssen für eine starke Schlussfolgerung“?
müssen verwendet man, wenn der Sprecher aufgrund von Fakten oder Beobachtungen fast sicher ist. Beispiel: Er muss krank sein. Vollständige Form in diesem Kontext: Das Licht brennt und sein Auto steht hier. Er muss zu Hause sein.
Was prüfe ich in „Nach vorsichtiger Schätzung dürfte die Reparatur zwei Tage dauern.“ beim Thema „dürften für eine wahrscheinliche Vermutung“?
dürften bedeutet, dass etwas wahrscheinlich ist, aber nicht hundertprozentig sicher. Es kommt besonders häufig in Nachrichten und formellen Texten vor. Vollständige Form in diesem Kontext: Nach vorsichtiger Schätzung dürfte die Reparatur zwei Tage dauern.
Was prüfe ich in „Sie könnte den Schlüssel verloren haben.“ beim Thema „Infinitiv II mit haben“?
Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein. Vollständige Form in diesem Kontext: Sie könnte den Schlüssel verloren haben.
Was prüfe ich in „Er muss bereits abgereist sein.“ beim Thema „Infinitiv II mit sein“?
Wenn man über eine vergangene Handlung spekuliert, verwendet man Modalverb + Infinitiv II. Beispiel: Er muss gegangen sein. Vollständige Form in diesem Kontext: Er muss bereits abgereist sein.
Was prüfe ich in „Er will nach eigener Aussage nichts davon gewusst haben.“ beim Thema „sollen und wollen als Informationsquelle“?
sollen zeigt eine Information aus einer fremden Quelle. wollen zeigt eine eigene Behauptung einer Person. Beispiel: Er soll reich sein. Er will nichts gewusst haben. Vollständige Form in diesem Kontext: Er will nach eigener Aussage nichts davon gewusst haben.
Was prüfe ich in „„Er soll die Unterlagen geprüft haben.“ Wer liefert hier die Information?“ beim Thema „Verwendung im Text deuten“?
Inferentielles muss ist keine Anweisung: Er muss krank sein zieht einen Schluss, statt Krankheit vorzuschreiben. Dürfte und könnte erlauben Vorsicht ohne feste Prozentwerte. Beim Infinitiv II richtet sich haben oder sein nach dem Vollverb: gelesen haben, angekommen sein. Reportives sollen verweist auf fremde Information, wollen auf den eigenen Anspruch des Subjekts. Beides bedeutet nicht automatisch Lüge. Quellenbezug und Zeit- beziehungsweise Passivbedeutung des Infinitivs sind getrennt zu analysieren. In diesem Kontext: Die Information wird einer anderen Quelle zugeschrieben; die Formulierung weist sie nicht als persönlich bestätigte Tatsache aus.
Wo darf ich diese Muster nicht mechanisch anwenden?
Inferentielles muss ist keine Anweisung: Er muss krank sein zieht einen Schluss, statt Krankheit vorzuschreiben. Dürfte und könnte erlauben Vorsicht ohne feste Prozentwerte. Beim Infinitiv II richtet sich haben oder sein nach dem Vollverb: gelesen haben, angekommen sein. Reportives sollen verweist auf fremde Information, wollen auf den eigenen Anspruch des Subjekts. Beides bedeutet nicht automatisch Lüge. Quellenbezug und Zeit- beziehungsweise Passivbedeutung des Infinitivs sind getrennt zu analysieren.
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