Einfache Erklärung
Was bedeutet eine Schlussfolgerung über die Gegenwart? Manchmal wissen wir etwas nicht direkt, können aber aus sichtbaren Hinweisen oder bekannten Informationen eine logische Schlussfolgerung ziehen. Wenn zum Beispiel Annas Auto vor dem Haus steht und in ihrer Wohnung Licht brennt, können wir vermuten, dass sie zu Hause ist. Im Englischen zeigen must, might und can’t, wie sicher wir uns bei einer solchen Schlussfolgerung sind. Must: eine sehr wahrscheinliche Schlussfolgerung Must verwenden wir, wenn die vorhandenen Hinweise stark sind und wir deshalb ziemlich sicher sind, dass etwas stimmt. In dieser Funktion bedeutet must keine Verpflichtung. She must be tired bedeutet nicht, dass sie verpflichtet ist, müde zu sein. Der Sprecher schließt aus den Umständen, dass sie sehr wahrscheinlich müde ist. Might: eine mögliche Erklärung Might verwenden wir, wenn etwas möglich ist, wir aber nicht genügend Informationen haben, um sicher zu sein. Es kann mehrere mögliche Erklärungen geben. Wenn jemand nicht ans Telefon geht, können wir beispielsweise sagen: She might be busy. Das ist eine Möglichkeit, aber keine sichere Schlussfolgerung. Can’t: eine sehr wahrscheinliche negative Schlussfolgerung Can’t verwenden wir, wenn die Hinweise stark dagegen sprechen, dass etwas stimmt. Wenn du weißt, dass Paul gerade in Berlin ist, kannst du über eine Person in London sagen: That can’t be Paul. Hier beschreibt can’t keine fehlende Fähigkeit, sondern eine logische negative Schlussfolgerung. Die Stärke der Hinweise entscheidet Bevor du das Modalverb auswählst, frage dich, wie sicher die vorhandenen Informationen die Schlussfolgerung machen. Bei einer sehr wahrscheinlichen positiven Schlussfolgerung verwendest du must. Wenn etwas lediglich möglich ist, passt might. Wenn du aufgrund starker Hinweise ziemlich sicher bist, dass etwas nicht stimmt, verwendest du can’t. Was steht nach must, might und can’t? Nach diesen Modalverben steht die Grundform des Verbs ohne to: must know, might need, can’t understand. Wenn du über einen Zustand, einen Ort, eine Identität oder eine Eigenschaft sprichst, brauchst du häufig be: must be tired, might be at work, can’t be true. Das Modalverb verändert sich nicht mit der Person.
Grammatikformel
Starke positive Schlussfolgerung
subject + must + base verbShe must know the answer.
Starke Schlussfolgerung über einen Zustand
subject + must + be + complementYou must be tired.
Mögliche Schlussfolgerung
subject + might + base verbHe might know her.
Möglichkeit über Zustand oder Ort
subject + might + be + complementThey might be at home.
Möglicherweise nicht
subject + might not + base verbShe might not remember me.
Starke negative Schlussfolgerung
subject + can’t + base verbHe can’t know everything.
Starke negative Schlussfolgerung mit be
subject + can’t + be + complementThat can’t be the right address.
Wichtige Regeln
- 1
Must für starke positive Schlussfolgerungen
Verwende must, wenn die Hinweise dich zu einer sehr wahrscheinlichen positiven Schlussfolgerung führen: His office light is on. He must be working.
- 2
Might für Möglichkeiten
Verwende might, wenn du eine mögliche Erklärung nennst, aber nicht sicher bist: She might know the answer.
- 3
Can’t für starke negative Schlussfolgerungen
Verwende can’t, wenn die vorhandenen Informationen eine Möglichkeit sehr unwahrscheinlich oder logisch unmöglich machen: He can’t be at home. I just saw him at work.
- 4
Modalverb + Grundform
Nach must, might und can’t folgt die Grundform des Verbs ohne to: must know, might need, can’t understand.
- 5
Modalverb + be
Für Zustände, Orte, Eigenschaften und Identitäten verwendest du häufig must be, might be oder can’t be: She must be tired. He might be outside. That can’t be Tom.
- 6
Keine Endung bei der dritten Person
Modalverben bekommen bei he, she oder it kein -s. Deshalb heißt es She must know und nicht She musts know.
- 7
Verneinung mit might
Wenn du ausdrücken möchtest, dass etwas möglicherweise nicht der Fall ist, kannst du might not verwenden: He might not know about the meeting.
- 8
Can’t statt mustn’t für negative Schlussfolgerungen
Mustn’t bedeutet normalerweise, dass etwas nicht erlaubt ist. Für eine starke negative Schlussfolgerung wird dagegen can’t verwendet: She can’t be at work; her office is closed.
Praktische Beispiele
You’ve been working all day. You must be tired.
Du hast den ganzen Tag gearbeitet. Du musst wirklich müde sein.
Die lange Arbeitszeit ist ein starker Hinweis auf Müdigkeit.
The lights are on. Emma might be at home.
Das Licht ist an. Emma könnte zu Hause sein.
Das Licht ist ein Hinweis, beweist aber nicht sicher, dass Emma zu Hause ist.
That can’t be Daniel. He’s in Canada this week.
Das kann nicht Daniel sein. Er ist diese Woche in Kanada.
Die bekannte Information über Daniels Aufenthaltsort widerspricht dieser Möglichkeit.
Everyone asks Julia for advice. She must know a lot about this subject.
Alle bitten Julia um Rat. Sie muss viel über dieses Thema wissen.
Das Verhalten der anderen liefert einen starken Hinweis auf Julias Wissen.
Ben isn’t at his desk. He might be having lunch.
Ben ist nicht an seinem Schreibtisch. Vielleicht ist er gerade beim Mittagessen.
Das Mittagessen ist nur eine mögliche Erklärung für seine Abwesenheit.
This can’t be our train. It’s going in the opposite direction.
Das kann nicht unser Zug sein. Er fährt in die entgegengesetzte Richtung.
Die Fahrtrichtung liefert einen starken Grund, diese Möglichkeit auszuschließen.
Emma isn’t answering her phone. She might be in a meeting.
Emma geht nicht ans Telefon. Vielleicht ist sie in einer Besprechung.
Eine Besprechung ist eine plausible Erklärung, aber der Sprecher ist nicht sicher.
Look at that huge house. They must have a lot of money.
Sieh dir dieses riesige Haus an. Sie müssen viel Geld haben.
Der Sprecher zieht aus einem sichtbaren Hinweis eine starke Schlussfolgerung.
You can’t be hungry. You just had lunch.
Du kannst doch nicht hungrig sein. Du hast gerade erst zu Mittag gegessen.
Das gerade beendete Mittagessen spricht stark gegen die Aussage, dass die Person hungrig ist.
There’s almost no traffic today. It might be a public holiday.
Heute gibt es fast keinen Verkehr. Vielleicht ist heute ein Feiertag.
Der geringe Verkehr kann verschiedene Ursachen haben, deshalb passt might.
The office is completely dark. Everyone must be gone.
Das Büro ist völlig dunkel. Alle müssen schon weg sein.
Das dunkle Büro wird als starker Hinweis interpretiert.
This key doesn’t fit. It can’t be the key to this door.
Dieser Schlüssel passt nicht. Das kann nicht der Schlüssel für diese Tür sein.
Dass der Schlüssel nicht passt, liefert einen direkten Grund für die negative Schlussfolgerung.
Typische Fehler
- ❌ She must to be tired. ✅ She must be tired. Nach einem Modalverb steht die Grundform ohne to.
- ❌ He might is at home. ✅ He might be at home. Nach might kann nicht is stehen. Die Grundform von is ist be.
- ❌ She musts know the answer. ✅ She must know the answer. Modalverben erhalten auch bei he, she und it keine -s-Endung.
- ❌ He doesn't might know. ✅ He might not know. Modalverben werden nicht mit do oder does verneint. Not steht direkt nach might.
- ❌ Tom mustn't be at home. I just saw him at work. ✅ Tom can’t be at home. I just saw him at work. Hier geht es um eine logische negative Schlussfolgerung. Mustn’t würde normalerweise ein Verbot ausdrücken.
- ❌ She might to know the answer. ✅ She might know the answer. Nach might folgt die Grundform des Verbs direkt und ohne to.
Lerntipps
- Denke zuerst an die Stärke deiner Hinweise: starke positive Hinweise → must; eine offene Möglichkeit → might; starke negative Hinweise → can’t.
- Must bedeutet bei einer Schlussfolgerung nicht dasselbe wie must bei einer Verpflichtung. Der Kontext entscheidet über die Bedeutung.
- Bei Orten, Zuständen, Berufen, Identitäten und Eigenschaften ist die Struktur mit be besonders häufig: must be busy, might be a doctor, can’t be at home.
- Wörter wie perhaps, maybe und I’m not sure weisen häufig auf Unsicherheit hin. In solchen Situationen passt might oft gut.
- Entscheide nicht nur anhand eines einzelnen Satzes zwischen must und might. Die Informationen davor oder danach zeigen häufig, wie sicher der Sprecher ist.
- Can’t kann entweder fehlende Fähigkeit oder eine negative Schlussfolgerung ausdrücken. Bei Schlussfolgerungen bedeutet es ungefähr, dass etwas nach den vorhandenen Informationen nicht stimmen kann.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen must und might bei Vermutungen?
Must zeigt, dass du aufgrund der vorhandenen Hinweise ziemlich sicher bist. Might bedeutet dagegen nur, dass etwas möglich ist. Mit might lässt du also deutlich mehr Unsicherheit offen.
Bedeutet must in diesen Sätzen immer „müssen“?
Nein. Must kann eine Verpflichtung ausdrücken, aber bei Schlussfolgerungen hat es eine andere Funktion. She must be tired bedeutet, dass der Sprecher aufgrund der Situation überzeugt ist, dass sie wahrscheinlich müde ist.
Warum verwendet man für eine negative Schlussfolgerung nicht mustn’t?
Mustn’t drückt normalerweise ein Verbot aus, zum Beispiel You mustn’t smoke here. Wenn starke Hinweise zeigen, dass etwas nicht stimmen kann, verwendet man normalerweise can’t: He can’t be at home.
Welche Verbform kommt nach must, might und can’t?
Direkt danach steht die Grundform ohne to: must know, might come, can’t understand. Wenn be benötigt wird, heißt es entsprechend must be, might be oder can’t be.
Bedeutet might eine Wahrscheinlichkeit von genau 50 Prozent?
Nein. Might hat keinen festen Prozentwert. Es zeigt lediglich, dass der Sprecher etwas für möglich hält, ohne ausreichend sicher zu sein.
Wie erkenne ich, ob can’t eine Unfähigkeit oder eine Schlussfolgerung ausdrückt?
Der Kontext ist entscheidend. He can’t swim beschreibt eine fehlende Fähigkeit. He can’t be at home; I just saw him at work ist dagegen eine Schlussfolgerung aus bekannten Informationen.
How can I tell whether can’t means inability or deduction?
Look at the context. He can’t swim describes inability. He can’t be at home; I just saw him downtown is a deduction based on evidence.
Can I use maybe instead of might?
Sometimes they communicate a similar idea, but their grammar is different. Maybe is an adverb, as in Maybe she is at home. Might is a modal verb, as in She might be at home.
